Arbeitsrecht in Kürze Episode 28: Krankheit im Arbeitsverhältnis 2: BEM und krankheitsbedingte Kündigung

Shownotes

Im zweiten Teil unseres Zweiteilers zum Thema „Krankheit im Arbeitsverhältnis“ geht es um die Frage, wann krankheitsbedingte Fehlzeiten arbeitsrechtlich kritisch werden können.

Unsere Juristin Kim-Jana Bobring und unsere Personalentwicklerin Wiebke Krohn erläutern, welche Voraussetzungen für eine krankheitsbedingte Kündigung erfüllt sein müssen, welche Alternativen Arbeitgeber zuvor prüfen sollten und welche Bedeutung dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) zukommt.

Darüber hinaus sprechen wir über häufige Fehler in der Praxis, den Umgang mit Langzeit- und Kurzerkrankungen sowie die besondere Situation bei schwerbehinderten Beschäftigten.

Themen dieser Folge: • Häufige Kurzerkrankungen und Langzeiterkrankungen • Mildere Mittel vor einer Kündigung • Voraussetzungen der krankheitsbedingten Kündigung • Risiken im Kündigungsschutzprozess • Besonderheiten bei Schwerbehinderung • Betriebliches Gesundheitsmanagement • Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) • Ablehnung eines BEM durch Beschäftigte

Für Arbeitgeber gilt: Eine krankheitsbedingte Kündigung ist regelmäßig erst das letzte Mittel. Gute Dokumentation, frühzeitige Gespräche und ein rechtssicher durchgeführtes BEM können entscheidend sein.

Bitte beachten Sie: In diesem Format reißen wir die Themen nur kurz an. Für eine tiefergehende oder individuelle Beratung stehen wir unseren Mitgliedern gerne zur Verfügung. Die Kontaktdaten und eine Übersicht unserer Leistungen finden Sie hier: www.av-lueneburg.de

Transkript anzeigen

00:00:01: Herzlich willkommen zu Arbeitsrecht in Kürze, dem Podcast des Arbeitgeberverbandes Lüneburg Nordost-Niedersachsen.

00:00:07: Hier sprechen wir über zentrale Fragen des Arbeitsrechts, analysieren wegweisende Entscheidungen der Arbeitsgerichte und geben wertvolle Einblicke in die Welt der Personalentwicklung und Gewinnung – kurz klar und auf den Punkt alles was Sie als Arbeitgebers wissen sollten!

00:00:23: Ja, herzlich willkommen auch noch einmal zu dieser zweiten Folge zur Krankheit im Arbeitsverhältnis.

00:00:28: Wieder mit unserer Personalentwicklerin Wiebke Krohn und unserer Juristin Kim Jana Boehring.

00:00:32: Hallo nochmal ihr beiden!

00:00:33: Hallo es freut mich dass ich heute wieder dabei sein darf.

00:00:36: Moin, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.

00:00:38: Ja wir wollten uns ja heute dann jetzt im zweiten Teil mit genauer mit dem sogenannten BEM und der krankheitsbedingten Kündigung befassen.

00:00:45: also wann wird es da kritisch?

00:00:46: was müssen Arbeitgeber da beachten?

00:00:49: Anknüpfend an die letzte Folge eben wollen wir jetzt nochmal darüber besprechen welche milderen Mittel müssen Arbeit Geber denn prüfen bevor sie überhaupt über Kündigungen sprechen dürfen.

00:00:59: Ganz zentral ist der Grundsatz im Arbeitsrecht kündigung immer das letzte Mittel.

00:01:03: Also Arbeitgeber müssen eben vorher prüfen, welche anderen Maßnahmen können wir ergreifen bevor wir kündigen.

00:01:09: Das kann zum Beispiel eine leidensgerechte Beschäftigung sein, eine Versetzung, eine sonstige Anpassung der Arbeitsbedingungen – das kann Teilzeit sein um Organisationen und auch immer mal eine Änderungskündigung vor Beendierungskündigungen.

00:01:22: Denn im Kündigungsschutzprozess wird später ganz genau geprüft ob der Arbeitgeberg wirklich alles versucht hat, um den Arbeitsplatz zu erhalten.

00:01:28: Und Kim was total wichtig ist ist der BEM-Prozess, das betriebliche Eingliederungsmanagement.

00:01:35: Auch das ist ja gesetzlich vorgeschrieben und viele denken, dass BEM ein Gespräch ist.

00:01:41: Das ist oftmals nicht so.

00:01:43: Wir reden hier von einem BEM Prozess.

00:01:45: Das kann ein kurzes Gespräch sein, es kann sein, dass das BEM nach fünf Minuten beendet ist.

00:01:51: Es kann aber auch sein, da sich eine BEM aktuell über zwei Jahre zieht.

00:01:57: Also wir wirklich einen echten Prozess haben mit mehreren Gesprächen.

00:02:02: Und auch hier schon mal der erste Praxistipp, Mitarbeiter sind im BAM-Härtesverfahrens?

00:02:08: Wenn Mitarbeiter das BAM ablehnen und wieder arbeitsfähig sind also wieder arbeiten dann ist es total sinnvoll ein Fürsorgegespräch zu führen.

00:02:20: bei dem Fürsorgengespräch geht's eigentlich um genau dasselbe wie in BAM.

00:02:24: ich frag nämlich Wie geht es dir was hattest du denn?

00:02:28: Was tust du, damit du nicht wieder so lange erkrankst?

00:02:32: Was erwartest Du von mir als Dein Arbeitgeber um zukünftig gesund zu

00:02:36: bleiben?".

00:02:38: Also den Mitarbeitenden auch zu sagen.

00:02:40: Du warst lange krank und ich mache mir Sorgen um Dich!

00:02:45: Zum BEM kommen wir ja glaube ich gleich noch Rosalie.

00:02:47: aber

00:02:48: meine wichtige Message wenn Mitarbeiter keinen BEM wollen dann hilft auch hier wieder das Mitarbeitergespräch.

00:02:56: Ja, wieb Gedanke für diese Einblicke.

00:02:58: Du hast jetzt schon mit dem BEM angefangen uns das anzureißen mal.

00:03:01: Jetzt gehen wir da mal genauer ins Detail.

00:03:03: Kim vielleicht kannst du für unsere Hörerinnen und Hörern noch einmal kurz erst mal sagen was das BEM eigentlich ist?

00:03:07: Was sich dahinter verbirgt?

00:03:09: Ja gerne!

00:03:10: Das BEM ist das sogenannte betriebliche Eingliederungsmanagement dass es ein offener Suchprozess in dem zwischen den Beteiligten geprüft werden soll ob es Maßnahmen am Arbeitsplatz gibt die dabei helfen können der Arbeitsunfähigkeit bestehende Arbeitsunfähigkeit zu überwinden und auch zukünftig Arbeitsunfähigkeitszeiten zu vermeiden.

00:03:30: Beteiligt ist da immer ein Arbeitgebervertreter zusammen mit dem Mitarbeitenden, dann können natürlich noch andere Personen hinzugezogen werden wie zum Beispiel bei der Betriebsrat wenn einer besteht oder das Integrationsamt oder auch der Betriebstarzt.

00:03:46: Das BEM wird grundsätzlich eingeleitet einen Mitarbeiter mehr als sechs Wochen pro Jahr erkrankt ist.

00:03:52: Das sind sozusagen die Voraussetzungen dafür, dass ein Arbeitgeber verpflichtet ist das sogenannte BEM auch durchzuführen.

00:03:57: Das können sechs Wochen am Stück sein, das können aber auch dreißig Arbeitstage sein bei einer fünf Tage Woche, die sich über das Jahr angesammelt haben.

00:04:05: Grundsätzlich hat der Arbeitgeberg jeden Mitarbeitenden einzuladen, der diese Voraussetzungen erfüllt.

00:04:10: Ich wollte jetzt sagen es ist also wirklich Pflicht für den Arbeitgebers.

00:04:13: Also ich muss das anbieten das BEM

00:04:15: Genau, es ist eine gesetzliche Verpflichtung.

00:04:18: Der Mitarbeiter selbst hat aber keinen Anspruch und auch eine Kündigung ohne BAM ist persönlich grundsätzlich unwirksam.

00:04:27: Wie kannst du vielleicht auch noch ein bisschen was dazu sagen?

00:04:29: Welche Fehler werden denn da häufig gemacht?

00:04:32: wie bereits du da unsere Mitglieder.

00:04:34: zum Thema BAM.

00:04:35: wenn es dann für die Thema ist?

00:04:37: Ja das mache ich gerne.

00:04:40: Meine Erfahrung ist, wenn in Betrieben das BAM zu sehr formalisiert ist dann laufen die BAM Prozesse nicht so gut.

00:04:49: Das heißt, wenn es beispielsweise eine sehr starre Betriebsvereinbarung gibt oder wenn sehr viele Menschen im BAM zusammensitzen.

00:04:58: Also wer möchte schon seine Krankheitstage gegenüber so einem Kreis von acht Personen rechtfertigen?

00:05:05: Ich bin ein großer Fan davon, gerade das Erstgespräch wo es nochmal um den Datenschutz geht und die Analyse der Kranken-Tage geht noch mal darum geht die Ziele des BAMs auch zu benennen dass wirklich in einem Zweier Gespräch zu führen zwischen dem Arbeitgebervertreter, dem Fallmanager... und dem Mitarbeitenden.

00:05:25: Und dann sehr individuell das BEM auch zu gestalten nach den Bedürfnissen, nicht nach einem Prozess der im Unternehmen festgelegt ist.

00:05:34: Bei so einem Prozesse merke ich oftmals es Mitarbeiter ablehnen weil sie Angst davor haben oder einfach die Starrheit dafür sorgt dass es nicht wirklich zu guten individuellen Ergebnissen kommt.

00:05:49: Nicht dass du trotz brauchtest einen gewissen Leitfaden.

00:05:52: Wir müssen erst mal auch hier wieder den Krankenfall analysieren.

00:05:57: Wir müssen erstmal schauen, was hat der Mitarbeiter?

00:06:01: Auch dann geht es wieder darum wie eben in der vorherigen Folge schon bei dem Mitarbeitergespräch die Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin in die Verantwortung zu nehmen.

00:06:10: also was tust du denn um deine Krankheit zu überwinden oder gesund zu bleiben?

00:06:16: und dann geht das darum Ergebnis auf Maßnahmen

00:06:19: auch

00:06:20: zu entwickeln.

00:06:21: alle am Tisch können Maßnahmenvorschläge machen, die dann bewertet werden.

00:06:26: Wie sinnvoll sie sind für den Mitarbeitenden?

00:06:28: Wie viel sie kosten?

00:06:30: Was es für Möglichkeiten der Umsetzung gibt auch im Betrieb und dann ist es sinnvoll.

00:06:35: das ist dann quasi der nächste Fehler, der oft passiert dass auch nachzuhalten also wirklich eine echte Zielvereinbarung zu treffen wer ist für welche Maßnahme mit wem verantwortlich und bis wann Und dann auch ein Evaluationsgespräch zu führen.

00:06:52: Zu gucken, haben die Maßnahmen gewirkt oder nicht?

00:06:55: Wenn sie nicht gewirkte haben nochmal zu gucken können wir andere Maßnahmen zusammen entwickeln und dann irgendwann auch sauber das BAM abzuschließen.

00:07:05: also ich habe ja eben von dem Prozess gesprochen.

00:07:08: Sie merken schon mit ihr merkt schon Das ist gar nicht so trivial da muss man an einiges denken und trotzdem sehr individuell nahe an den erkrankten Mitarbeitern bleiben

00:07:18: und sauber abschließen heißt jetzt, dass dann wahlweise irgendwelche Bedingungen am Arbeitsplatz geändert werden.

00:07:23: oder was meinst du genau mit sauber abschliessen?

00:07:26: Genau.

00:07:26: Die Maßnahmen umgesetzt werden die man da zu denen man da gekommen ist.

00:07:29: Die

00:07:29: Maßnahme umgesetzt wird.

00:07:30: ganz ehrlich das können ganz unterschiedliche Maßnahmen sein.

00:07:34: es kann sein, dass Mitarbeiter eine Rentenauskunft einholen also wenn man schon darüber nachdenkt auch schon früher in Rente zu gehen beispielsweise Auch hier wieder ein Präventionskurs sein.

00:07:46: Das kann aber auch durchaus nochmal eine Umschulung sein, also eine sehr komplexe langwierige Maßnahme.

00:07:54: Da gibt es viele unterschiedliche Lösungen und auch hier der Tipp ist von allen Seiten eine gewisse Offenheit für kleine und große Dinge.

00:08:06: Manchmal WGs und Rentenversicherung Kosten übernehmen, beispielsweise wenn Arbeitsplätze umgebaut werden müssen.

00:08:16: Und da erst mal sehr offen zu denken hilft in der Regel relativ gut.

00:08:21: alle Maßnahmen sind möglich egal ob klein oder groß alles machbar.

00:08:26: Ja Kim sagt auch noch was dazu

00:08:28: zum sauberen Abschluss gehört es eben dann auch am Ende festzustellen haben wir alle möglichen Maßnahmen ergriffen und geprüft und sind die Maßnahmen sozusagen erfolgreich oder nicht.

00:08:37: Und das BEM dann am Ende auch tatsächlich abzuschließen, zu sagen okay weitere Maßnahmen gibt es nicht und damit ist das BAM dann auch beendet.

00:08:44: Okay und was ist wenn ich ein BEM anbiete als Arbeitgeber?

00:08:47: Es muss ich eben anbieten und der Mitarbeiter möchte das nicht.

00:08:49: Sagt da will ich nicht teilnehmen.

00:08:50: bin ich dann juristisch gesehen aus dem Schneiderkümmer oder...

00:08:53: Das BEM Verfahren ist ja grundsätzlich freiwillig für den Mitarbeitenden.

00:08:56: das heißt er kann sich entscheiden ob er daran teilnehmen will oder nicht und er hat doch jederzeit das Recht zu sagen hier ist Schluss!

00:09:02: Ich möchte das beenden, ich möchte das abbrechen Das steht ihm frei.

00:09:06: Habt ihr da Erfahrungen?

00:09:07: Passiert das oft, dass Mitarbeiter das ablehnen?

00:09:08: oder ist es eher nicht so die Regel?

00:09:11: Die Ablehnung passiert öfters als das Abbrechen würde ich jetzt mal sagen aus der praktischen Erfahrung also schon so, dass so dreißigvierzig Prozent der Mitarbeitenden das BAM ablehne oder sich oftmals auch gar nichts zurückmelden.

00:09:24: Auch das haben wir das dann nochmal ein zweites und drittes BAM Einladung schreiben verschickt werden muss aus der Personalabteilung.

00:09:34: Das Mitarbeitende, das BAM wirklich abbrechen passiert selten.

00:09:39: Was passieren kann ist eine Lösungslosigkeit.

00:09:43: so also auch da sage ich immer im BAM darf man auch lösungslos sein.

00:09:47: es gibt Erkrankungen wo sowohl die Arbeitnehmenden wie auch die Arbeitgebenden keine Maßnahmen gemeinsam entwickeln können wo es einfach keine Lösung für gibt.

00:09:57: Ich gebe auch mal hier ein Beispiel chronische Erkranken die immer schlimmer werden im Verlauf.

00:10:05: Auch da haben wir ein Mitgliedsunternehmen, das ich betreue.

00:10:08: Wo der Fallmenscher jedes Jahr mit der Mitarbeiterin Wem durchführt, sie ein gutes Gespräch führen und beide wissen es wird von Jahr zu Jahr schlimmer, es kann weniger geleistet werden, es müssen Arbeitszeiten angepasst werden, Arbeitszeichen reduziert werden.

00:10:24: aber die unternehmerische Entscheidung ist diese Mitarbeiterin bleibt so lange im Unternehmen bis sie sagt dass sie nicht mehr kann Manchmal auch sehr belastend für die Fallmanagerinnen und Fallmanagern, die diese Bam-Gespräche führen.

00:10:41: Auch da Fallmanagers brauchen manchmal selber Unterstützung.

00:10:45: Brauchen auch mal einen Coaching eine Supervision um mit so schwierigen Fällen klarzukommen.

00:10:50: Beispielsweise auch bei Krebserkrankten Mitarbeitenden sind das oftmals sehr schwierige Gespräche.

00:10:57: aber die Hauptmessage ist es kann sein dass wir keine Maßnahmen finden und auch das is okay Aber auch das muss sauber dokumentiert werden.

00:11:05: Aus Arbeitgebersicht ist es eben wichtig, dass der Arbeitgeber den Mitarbeitenden zu diesem Gespräch einlädt oder ihn einlässt an diesen Prozess teilzunehmen.

00:11:13: Damit hat erstmal der Arbeit Geber seine Pflicht erfüllt und dann ist abzuwarten ob der Mitarbeiter sich daran beteiligt oder nicht.

00:11:23: Vor wir weiter über die Kündigung nachdenken gibt es da einen Unterschied zwischen dem Kurz Zeiterkrankungen und die Langzeiterkrankung.

00:11:30: Also während bei der Kurzzeiterkrankung haben wir jetzt schon angesprochen, dass ich da über Gespräche und so was viel regeln kann.

00:11:36: Bei der Langzeiterkranking könnte das ja schwierig werden und da ist vielleicht dann die Kündigung eher als Maßnahme zu erwarten oder?

00:11:43: Das

00:11:43: kommt jetzt darauf an wie wir Kurz- und Langzeitterkrankungen definieren.

00:11:47: So viele Kurzzeit erkrankungen sind für mich Erkrankungsunter zwei Wochen So, das ist sowohl der grippale Infekt wie auch mal eine gebrochene Nase durch Sport.

00:12:02: Ja da ist es mit der Weitergespräch durchaus die beste Wahl um erstmal zu schauen was können wir denn machen?

00:12:11: aber auch bei vielen Kurzzeiterkrankungen nämlich dann wenn ich mehrere Jahre hintereinander viele Kurzzeiterkrankung habe können zur Kündigung führen.

00:12:21: Das wird Kim gleich sicher noch mal ausführen, weil das etwas ist, was gerade die Kolleginnen und Kollegen sehr stark belastet.

00:12:28: Wenn jemand andauernd fehlt über Jahre hinweg und immer wieder eine kurze Zeit fehlt, ist das für Kolleginnen und Kolleginnen sehr viel belastender als wenn jemand über Monate mit einer Langzeiterkrankung erkrankt ist.

00:12:43: Der Unterschied ist bei den Kurzzeiterkranken kommen die Mitarbeitenden oftmals relativ schnell wieder ein Kranken- oder Rückkehr- oder Fürsorgegespräch führen.

00:12:53: Bei einer Langzeiterkrankung über Monate, also wenn jemand wirklich zwölf, vierzehn Monate manchmal auch zweieinhalb Jahre erkrankt ist und sich mal meldet aber wir haben ja durchaus auch Mitarbeitenden die einfach irgendwann aufhören sich zu melden Also wie überhaupt nicht wissen was mit denen isst dann ist es natürlich immer schwierig ins Gespräch zu kommen.

00:13:15: Und aus Personalentwicklersicht ganz ehrlich macht dann eine Kündigung manchmal auch Sinn, ganz einfach.

00:13:23: Wenn Mitarbeiter die Kündigungen bekommen, dann fangen sie wieder an mit uns zu kommunizieren.

00:13:28: Das hilft uns natürlich und man kann ja eine Künstigung auch einfach nochmal zurückziehen.

00:13:33: Kim zu den rechtlichen Sachen was sagst du dazu?

00:13:37: Ja ich stimme dir zu!

00:13:38: Ich sehe das genauso.

00:13:39: also bei den häufigen Kurzerkrankungen hat man als Arbeitgeber noch die Möglichkeit über Gespräche, saubere Dokumentation noch eine Verbesserung zu erreichen und mit den Mitarbeiter eben zu kommunizieren.

00:13:50: Und daher liegt der Schwerpunkt aus arbeitsrechtlicher Sicht darauf, Muster zu erkennen und diese auch zu thematisieren.

00:13:56: Bei Langzeiterkrankungen ist es deutlich schwieriger und die Prognose ja oft unsicher.

00:14:01: und da rückt dann stärker die Frage in den Fokus ist eine Rückkehr an den Arbeitsplatz eigentlich überhaupt noch möglich.

00:14:07: Zu dem Voraussetzung bei einer krankheitsbedingten Kündigung, da unterscheiden wir natürlich auch zwischen der Kurzzeiterkrankung und den Langzeiterkrankungen.

00:14:14: Zunächst einmal prüft die Rechtsprechung die krankkeitsbedingte Kündigungen immer in drei Schritten.

00:14:18: haben wir negative Gesundheitsprognose also es auch zukünftig mit Fehlzeiten zu rechnen.

00:14:24: Haben wir erhebliche betriebliche Beeinträchtigungen?

00:14:27: das können zum Beispiel die hohen Entgeltvorzahlungskosten sein oder auch die Belastung der Kollegen mit über Stunden.

00:14:33: Und am Ende gibt es eben noch eine umfassende Interessenabwägung.

00:14:36: Ist die Kündigung hier wirklich das Mittel der Wahl oder gibt es mildere Maßnahmen?

00:14:41: Dafür brauchen wir dann das BEM, um dort zu prüfen was können wir noch tun, um eine Kündigungen zu vermeiden?

00:14:46: und wenn ich jetzt mich aber als Arbeitgeber für die Künstigung entscheide du siehst ja immer auch viele Prozesse in deinem Job hier welche Risiken siehst du dafür Arbeitgebers besonders häufig?

00:14:55: also welche Fehler machen Arbeitgebe oft die sich dann eben in der Rechtsprechung negativ auswirken bei der krankheitsbedingten Kündierung.

00:15:02: Die häufigsten Fehler sind eigentlich keine ausreichenden Fehlzeiten, also wenn man nicht lang genug abwartet.

00:15:09: Bei kurzer Erkrankung reden wir da über drei Jahre rückwirkend von Fehlzeit mindestens von sechs Wochen pro Jahr und bei Langzeiterkrankungen mindestens anderthalb Jahre.

00:15:20: dann sagt die Rechtsprechung können wir davon ausgehen dass auch zukünftig entsprechende Fehl Zeiten zu erwarten sind.

00:15:25: diese fehlzeichen müssen wir zumindest schon mal haben.

00:15:28: Und hinzu kommt eben, dass wir kein unzureichendes BAM haben.

00:15:32: Also wenn ein BAM nur pro Forma durchgeführt wird oder nicht richtig, nicht vollständig, kein richtiges Einladungsschreiben das haben wir leider auch sehr häufig weil die Anforderungen da sehr hoch sind aus formaler Sicht dann kann ein unwirksames BAM auch schon dazu führen, dass eine Kündigung unwirksam ist.

00:15:50: Da haben wir auch ein ganz aktuelles Beispiel aus der Rechtsprechung vom LAG Hamburg.

00:15:53: Da ist ein BEM-Einladungsschreiben per Einwurfeinschreiben verschickt worden und da hat das LAG Hamburg noch mal ganz klar gesagt, einen Bemeinladungsschreiben muss zugehen.

00:16:04: Das heißt, der Arbeitgeber muss beweisen, dass der Mitarbeiter das Schreiben bekommen hat und ein Einwurf einschreiben bringt diesen Beweiswert nicht.

00:16:11: D.h.,

00:16:12: der Arbeit Geber konnte die ordnungsgemäße Einladung zum BEM nicht nachweisen und aus diesem Grund allein war dann die Nachfolgendekündigung unwirksam.

00:16:20: Das heißt, hier ist es eben wichtig auch im BEM-Prozess die Formalien unbedingt einzuhalten und das BEM Einladungsschreiben nachweisbar an den Mitarbeiter zuzustellen.

00:16:29: Zumindest dann wenn es später zu einer krankheitsbedingten Kündigung kommen sollte.

00:16:33: Also darf ich das per E-Mail schicken?

00:16:34: Wir hatten ja vorher jetzt schon öfter gesprochen dass manche sich kranke Mitarbeiter einfach überhaupt nicht zurück melden gar nicht reagieren.

00:16:40: wie sieht denn das formal richtige Einladungsschreiben aus?

00:16:43: also geht das per e-mail oder

00:16:46: Theoretisch geht das Schreiben per E-Mail.

00:16:47: Ich würde im ersten Schritt auch immer versuchen, dass Schreiben kostengünstig per E mail oder per Post zuzustellen und vielleicht den Mitarbeiter parallel auch nochmal dazu zu kontaktieren anzusprechen, anzurufen um auch den Prozess näher zu erläutern weil das Einladungsschreiben an sich oft sehr lang und sehr umfangreich ist.

00:17:04: um wirklich noch mal zu erklären was eigentlich ein BAM am Ende wenn der Mitarbeiter sich daraufhin aber gar nicht meldet dann brauche ich einen BAM schreiben zugestellt wird und dass ich den Zugang auch nachweisen kann.

00:17:16: Und dann würde ich empfehlen, im zweiten Schritt ein zweites Bemeinandungsschreiben dann nachweisbar per internen Boote am besten der das Schreiben persönlich übergibt oder in dem Briefkasten wirft damit sich den Zugangs dieses Schreiben dann auch beweisen

00:17:29: können.

00:17:31: Kim du hast es eben gesagt viele Mitarbeiter lesen diese Schreiben was ja so formal geschrieben werden muss um diesen Anforderungen gerecht zu werden und haben dann Angst.

00:17:41: deswegen ist das parallele Telefonat wirklich nochmal ein Praxistipp.

00:17:46: Wenn die Mitarbeitenden langzeit erkrankt sind, sind nicht im Unternehmen also es natürlich am besten Mitarbeiter ist da.

00:17:54: wir können das Einladung schreiben aushandigen und sagen unser Ziel ist es mit dir ins Gespräch zu kommen um deinen Arbeitsplatz zu sichern.

00:18:03: Das ist ideal.

00:18:05: Wenn die Mitarbeitenden aber gerade arbeitsunfähig erkrankt sind, ist es wirklich sinnvoll zum Telefonhörer zu greifen.

00:18:11: Die Mitarbeiter anzusuchen auch das erlaubt wenn Mitarbeiter nicht ans Telefon gehen oder sagen mit dir red ich nicht weil meine Arbeitspflicht in der Erkrankung so spendiert.

00:18:21: okay Entscheidung der Mitarbeiter.

00:18:24: Aber es ist total sinnvoll anzurufen und zu sagen, ihr geht das BAM-Einladungsschreiben dennächst zu.

00:18:30: Ich möchte dir dazu noch mal etwas sagen.

00:18:32: Mir ist wichtig mit dir ins Gespräch zu kommen um mit dir zusammenzuschauen wie wir deine Arbeitsunfähigkeit überwinden können.

00:18:39: ich möchte ein gutes Gespräch mit dir.

00:18:42: Dieses Einladungschreiben isst wie's ist das müssen wir rechtlich formuliert so... An dich senden, ich möchte dir aber nochmal sagen.

00:18:50: Ich möchte mit dir einen guten Kontakt und ich möchte mit ihr zusammen erarbeiten wie wir hier deinen Arbeitsplatz sichern können?

00:18:57: Ja!

00:18:58: Und was mache ich jetzt wenn dann zusätzlich auch noch eine Schwerbehinderung vorliegt?

00:19:01: Dann wird wahrscheinlich alles noch viel komplizierter oder?

00:19:04: Tatsächlich bei schwer behinderten Mitarbeitenden wird die krankheitsbedingte Kündigung juristisch noch deutlich komplexer.

00:19:11: Wichtig ist erstmal zu wissen vor jeder Kündigungen muss zwingend die Zustimmung des Integrationsamtes vorlegen.

00:19:17: Außerdem muss ich im Rahmen der Prüfung der milderen Maßnahmen noch genauer hinschauen, da die Anforderungen hier noch strenger sind.

00:19:25: Also Arbeitgeber müssen wirklich sehr sorgfältig prüfen und intensiv nach Lösungen suchen.

00:19:29: wie können wir einen Arbeitsplatz erhalten bevor hier die Kündigung ausgesprochen wird?

00:19:34: Wir haben in Niedersachsen mit der einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgebers oder kurz EAA eine unterstützende Stelle moderiert und uns als Arbeitgeber auch unterstützt, wie wir mit Menschen mit Schwerbehinderung gute Lösungen, gute Gespräche führen können.

00:19:56: Dann müssen wir jetzt noch also Krankheit im Arbeitsverhältnis, was uns da eigentlich noch fehlt ist ja auch das betriebliche Gesundheitsmanagement.

00:20:02: Das müssen wir schon mal ansprechen.

00:20:04: wie sieht es denn damit aus?

00:20:05: Manche Arbeitgeber sind sehr aktiv haben ein Fitnessstudio für ihre Mitarbeiter.

00:20:10: oder wirkt sich das insgesamt positiv auf die Fehlzeiten aus.

00:20:15: Sieht man da irgendwie Effekte oder was würdest du dazu sagen?

00:20:19: Die meisten Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements haben zuerst eine Wirkung auf die Mitarbeiter Bindung Und auf die Zufriedenheit.

00:20:27: Also genau das, was du gerade gesagt hast, dass Fitnessstudio im Unternehmen führt jetzt nicht per se in erster Stelle zu weniger Krankheitstagen Obstkorb und Fahrradaktion und der Firmenlauf wahrscheinlich auch nicht.

00:20:43: aber hier geht es ja um Prävention Das ist wichtig.

00:20:47: und hier geht's auch ein bisschen um Mitarbeiter Bindung und Motivation.

00:20:54: Und dann gibt es sehr gezielte Maßnahmen.

00:20:56: Beispielsweise gibt es Ergonomie-Coaches, die an den Arbeitsplatz kommen und mit Mitarbeitenden gemeinsam den Arbeits Platz ideal einstellen.

00:21:05: Das ist halt für einen total wirksames Mittel.

00:21:08: Du hast ja eben in der Folge zuvor auch schon gesagt Muskelskeletterkrankungen haben noch eine hohe Relevanz in Deutschland.

00:21:17: Dann geht es auch sehr stark um psychische Belastung.

00:21:19: Auch hier hat der Gesetzgeber ja schon die psychische Gefährdungsbeurteilungen gesetzlich festgeschrieben, aber wenn's da um so Themen geht wie Selbstmanagement, Stressmanagement Resilienztrainings hat das in der Tat eine Wirkung.

00:21:35: und ich bleibe dabei und dass sagen auch viele Studien Das Mitarbeiter Gespräch die höchste Wirkung auf die mitarbeitenden Gesundheit.

00:21:47: Es geht immer darum individuell zu gucken, wo sind die Herausforderungen der einzelnen Mitarbeitenden und was sind die individuellen Lösungen im Gesundheitsmanagement?

00:21:58: Dann haben wir auch eine signifikante Reduzierung Krankheitstage.

00:22:05: Ja, also Kommunikation ist das A und O wie so oft.

00:22:08: Kommunikations ist das a und o.

00:22:10: Dann nähern wir uns jetzt auch schon im Ende dieser Folge.

00:22:13: wenn ihr beide unseren Hörerinnen und Hörern jetzt einen Rat mitgeben dürftet in Bezug auf Krankheiten im Arbeitsverhältnis und damit sie gar nicht erst über eine krankheitsbedingte Kündigung nachdenken müssen welcher Rat wäre das?

00:22:26: Also mein wichtigster Rat wäre frühzeitig handeln Und auch Auffälligkeiten nicht ignorieren, die Gespräche führen.

00:22:33: Alles gut dokumentieren und vor allen Dingen das BEM ernst nehmen.

00:22:37: Denn wer erst bei der Kündigung anfängt sich Gedanken zu machen hat hier deutlich schlechtere Chancen.

00:22:44: Das Fürsorgegespräch ist eines der schwierigsten Gespräche für Führungskräfte.

00:22:49: Es ist viel für einfacher darüber zu sprechen, wenn jemand zu spät zur Arbeit kommt oder wirklich ein Fehler gemacht hat der sich auf Produktivität auswirken.

00:22:57: Aber Mitarbeitenden zu sagen ich habe die Wahrnehmung dass irgendetwas passiert ist das du schlecht aussiehst Ich mache mir Sorgen um dich weil Du eingeschlafen bist bei der Arbeit.

00:23:09: Oder den Fall hatten wir ja auch gerade in einem Mitgliedsunternehmen Mitarbeiter Regelmäßig einmal die Stunde für zehn, fünfzehn Minuten auf Toilette gehen.

00:23:20: Also wir merken da stimmt irgendetwas nicht.

00:23:23: das sind sehr schwierige Gespräche.

00:23:26: Mein Tipp ist trotzdem machen.

00:23:30: Du hast es eben schon gesagt je eher wir eingreifen dass schneller finden wir auch noch eine Lösung desto weniger manifestiert haben sich Belastungen Erkrankung oder auch sonstige Verhaltensweisen.

00:23:44: Also um hohe Fehlzeiten zu reduzieren, früh anfangen.

00:23:49: Trauen Sie sich diese Gespräche zu führen?

00:23:51: weil wenn sie es nicht machen wer macht das dann?

00:23:55: Vielen Dank!

00:23:55: Das nehmen Sie sich jetzt bitte zu Herzen liebe Hörerinnen und Hörern und wir sagen erst mal Tschüss und bis zur nächsten Folge.

00:24:02: Vielen Dank.

00:24:03: Tschüß!

00:24:10: Bitte beachten Sie, dass wir in diesem Format die Themen nur anreißen.

00:24:14: Für eine individuelle Beratung stehen wir unseren Mitgliedern gerne zur Verfügung!

00:24:18: Die Kontaktdaten finden sie auf unserer Internetseite.

00:24:21: Vielen Dank fürs Zuhören, abonnieren Sie uns gern und bis zum nächsten Folge.

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